Veranstaltungsreihe LAN615


LAN 615 ist eine Veranstaltungsplattform des Forschungskollegs "Medienumbrüche" SFB/FK 615 der Universität Siegen.

LAN soll - wie die Langform "Local Area Network" schon sagt - ein "örtliches Netzwerk" für kulturelle Ereignisse schaffen. Das Netz spannt sich zwischen drei Eckpfeilern: Wissenschaft, Kunst und Kulturbesucher.

Neben dieser Verzahnung garantiert der Inhalt der Veranstaltungsreihe für die notwendige Netzspannung. LAN ist Begriff des Computerzeitalters: Digitalisierung und Vernetzung prägen das Gesicht der Weltgesellschaft, Medien sind Voraussetzung ihres Entstehens. Medien bilden daher einen zentralen Fokus der LAN-Reihe.

In halbjährlichem Abstand präsentiert das Forschungskolleg "Medienumbrüche" als Gast des Museums für Gegenwartskunst in Form von Podiumsdiskussionen und audiovisuellen Vorträgen Themen, die die Bandbreite eines analogen/digitalen Umbruchs in ihrer ganzen Brisanz illustrieren.

Getragen wird das Netzwerk von den Teilnehmern und damit: von Ihnen - dem wichtigsten Knotenpunkt im Veranstaltungs-Netzwerk.


nächste Veranstaltung:


gelaufene Veranstaltungen:


am 21.06.06:
Daniel Kothenschulte (Filmredakteur der Frankfurter Rundschau) und Michael Aust (Filmproduzent und Begründer des Musikvideopreises clip+)
The Art of Pop Video. From Sound to Vision:
Eine Filmgeschichte des Musikvideo

Darf ein Clip Kunst sein? Bei seinem Siegeszug in den achtziger Jahren vom Gros der Kulturkritik als geistlose Bilderflut gescholten, blieb dem Musikvideo zunächst wenig Hoffnung, auch nur einen Bruchteil jener Anerkennung zu erheischen, die etwa die Popart für sich verbuchen kann. Zwei Jahrzehnte nach dem Sendestart von MTV ist es an der Zeit für eine erste Aufarbeitung des Mediums und seiner Geschichte.

Das moderierte Programm, das sich in zwei Blöcken auf der Riesenleinwand präsentiert, versucht einen spielerischen Brückenschlag: Von den kunstsinnigen Pet Shop Boys, welche Bezüge zu Andy Warhol aufweisen, geht die Reise zurück zu den Pionierwerken der klassischen Avantgarde: Von den flirrenden, direkt auf den Film gemalten, grellbunten Musikfilme des Künstlers Len Lye aus den 30er Jahren über die jazzigen "Soundies" der gleichen Zeit, die etwa Duke Ellington zu einem Popstar unter den Bandleadern machten, führt ein direkter Weg zu den audiovisuellen Grotesken eines Spike Jonze. Erinnerungen in Walt Disneys heute vergessenen Salsa-Improvisationen aus den 40er Jahren, die aktueller nicht sein könnten, werden bei Daft Punks Trickfilmanimationen wach gerufen. Und wenn Chris Cunninghams hypnotischer Björk-Clip "All Is Full Of Love" den Star in einen geheimnisvollen Androiden verwandelt, sind die Grenzen zwischen Realfilm und Animation so überflüssig wie die alten Trennungslinien zwischen Kunst und Unterhaltung. Diese Entgrenzung unterstreicht auch der von Wolfgang Tillmans inszenierte Clip der Pet Shop Boys "Home and Dry".

'The Art of Pop Video. From Sound to Vision: Eine Filmgeschichte des Musikvideo' ist ein Vortrag, der vom Flow der Musikkanäle komponiert ist und überraschende Bezüge zu Kunst und Kino offen legt.




am 09.11.06:

Podiumsdiskussion zum Thema: Medien und Gegenöffentlichkeit

Gesellschaftliche Reformbewegungen - wie beispielsweise die 'Globalisierungskritiker' - stehen vor dem Problem, dass ihre Interessen und Anliegen von den etablierten und allgegenwärtigen Massenmedien Zeitung, Radio und Fernsehen meist nicht wahrgenommen werden.

Einziger Ausweg aus dieser Misere waren in der Vergangenheit oftmals spektakuläre Aktionen - uns allen im Gedächtnis geblieben sind diverse Straßenschlachten zwischen Polizei und Demonstranten, die Besetzung der Ölplattform Brent Spar durch Greenpeace-Aktivisten, die Einbetonierung der Atomkraftgegner in den Gleisanlagen oder die Zerstörung von McDonald's Lokalen durch französische Bauern.

In den vergangenen Jahren hat sich neben dieser als 'Reclaim the streets' benannten Bewegung, die auf eine Zurückeroberung des öffentlichen Raums zielt, jedoch eine völlig neue Möglichkeit herausgebildet, ein großes Publikum zu erreichen.

Die Allgegenwärtigkeit, hohe Verbreitungsgeschwindigkeit und ständige Verfügbarkeit macht das Internet zu dem Medium, um im medialen Raum eine öffentliche Gegenpräsenz zu erzeugen. Exemplarisch steht hierfür die alternative Medienplattform indymedia, die unter dem Schlagwort 'Reclaim the media!' Gegenöffentlichkeit schafft, indem Akteure aus der gesellschaftlichen Basis selbst zu Wort kommen und eigenständig Artikel zu Themen ihres Interesses verfassen können.

Bietet das Internet also die Möglichkeit, die massenmediale Deutungshoheit zu brechen?

Wie gehen Akteure einer Gegenöffentlichkeit wie z.B. attac mit den medialen und technologischen Herausforderungen um?

Gelingt es ihnen, Gegenöffentlichkeit(en) im Internet aufzubauen und darüber hinaus ihre Informationen in die Kanäle der Massenmedien zu speisen?

Welche Einfluss haben veränderte Produktions- und Rezeptionsstrukturen auf die Arbeit von Journalisten klassischer Massenmedien wie Tageszeitung oder Fernsehen?

Erweitert das Internet die Informationsbasis von Journalisten oder beschleunigt es lediglich die Produktionsabläufe?

Werden Impulse der Zivilgesellschaft nun verstärkt aufgenommen und welche Rolle spielen alternative Nachrichtenplattformen wie indymedia oder LaborNet für die Berichterstattung klassischer Massenmedien?

Die Podiumsdiskussion 'Reclaim the media! - Medien und Gegenöffentlichkeit' will den kontroversen Positionen in dieser Debatte eine Plattform bieten und die Aktualität des Themas verdeutlichen. Daher haben wir uns bemüht sowohl Personen aus dem Kreise der etablierten Medien zu gewinnen, als auch Vertreter von indymedia und von attac als Repräsentant für Protestorganisationen. Geleitet wird die Diskussion von der Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Sigrid Baringhorst,, die durch die Leitung des Forschungsprojekt 'Protest- und Medienkulturen im Umbruch' in der Thematik sehr versiert ist.




am 05.06.07:
Berthold Bell und Matthias Hornschuh
Musik im (Kurz)film
eine multimediale Präsentation mit anschliessender Diskussion

Kurzfilm und Filmmusik: Während sich hinsichtlich der Filmmusik die wissenschaftlichen Paradigmen der Gegenstandskonstruktion im Umbruch befinden, war der Kurzfilm schon immer ein Seismograph gesellschaftlicher und kultureller Veränderung - und als solcher per se im Umbruch.

'Wie haben Sie den Film gehört?' diese Frage stellte die Musikwissenschaftlerin Claudia Bullerjahn in den 90er Jahren - und konnte sich damals sicher sein, für Irritationen bei Film- und Medienwissenschaftlern und nicht zuletzt auch Zu-Schauern (!) zu sorgen. Denn wenn im deutschsprachigen Raum eine Wahrheit über Film als unantastbar galt, dann die, dass Film 'visuelle Kunst' sei. Dabei ist diese Annahme ebenso unsinnlich wie unsinnig. Aus musikpsychologischer und musikpraktischer Sicht ist Film alles andere als das; es wird gezeigt werden, dass sich im Film die Bilder selbst ändern, wenn Musik und Ton die Richtung wechseln.

Die multimediale Erzählform Film korrespondiert mit der multimodalen Wahrnehmung des Publikums. Während sich diese Erkenntnis im wissenschaftlichen Umgang mit Film immer mehr durchsetzt, stellt sich die Entwicklung im Bereich der Filmproduktion uneinheitlich dar: Einerseits gibt es eine deutliche Tendenz, auch im deutschen Film wieder sinnliches Kino mit starken Musikkonzepten zuzulassen, andererseits mussten Filmkomponisten noch nie unter derart widrigen ökonomischen und kulturellen Bedingungen arbeiten wie zur Zeit.

Ein filmisches Experimentierfeld, das von den Quotenzwängen kommerzieller Filmproduktion weitestgehend frei ist, ist der Kurzfilm. Hier probieren sich Filmemacher aus, oft mit einem professionellen Team und Stab im Rücken, hier entstehen Partnerschaften, Handschriften, internationale Hits und kleine Fingerübungen.

Im öffentlichen Diskurs wird der Kurzfilm innerhalb des Filmgeschehens eher als Randphänomen wahr- und in mancher Hinsicht nicht recht ernstgenommen. Dabei haben wichtige filmkulturelle Entwicklungen ihre Wurzeln genau dort, man denke nur an das Manifest von Oberhausen 1962 ('Papas Kino ist tot'), mit dem eine Handvoll Kurzfilmregisseure die bundesdeutsche Filmlandschaft bis heute nachhaltig veränderte.

Neuen Schub bekommt die Entwicklung des Kurzfilms durch die rasante Digitalisierung der Medien, die die Möglichkeiten sowohl der Herstellung als auch der Verbreitung nochmals erweitert und - nicht zuletzt - die Produktionskosten senkt: Nie wurden so viele Kurzfilme produziert wie heute.


Ablauf:

Anhand des Kurzfilmgenres sollen die Möglichkeiten der musikalischen Filmgestaltung erläutert werden. Neben einer Einführung in Geschichte und Formen des Kurzfilms wird ein kurzer Vortrag zu den Besonderheiten der multimodalen Wahrnehmung des Multimediums Film die Perspektive auf die Rezeption des Filmpublikums lenken; hier wird dem Publikum die seltene Gelegenheit gegeben, einen Kurzfilm mit mehreren Vertonungen zu erleben.

Weitere Filmbeispiele, darunter Arbeiten des anwesenden Komponisten, werden das Verhältnis Kurzfilm - Filmmusik ausloten. Sollte danach noch irgendjemand daran glauben, dass Film eine visuelle Kunst ist, wird die abschließende Diskussion sicher umso spannender.


Referenten:

Berthold Bell ist Filmjournalist und Filmmusikspezialist

Matthias Hornschuh ist Filmkomponist und Musikwissenschaftler




am 04.09.07:
Bernhard Hoecker (der bekannte Comedian aus 'Switch' und 'genial daneben') liest aus seinem aktuellen Buch
Aufzeichnungen eines Schnitzeljägers
Mit Geocaching zurück zur Natur


Bildergalerie

Keine Angst, es geht zwar ums Schnitzeljagen, aber es ist auch eine Sammlung kleiner Abenteur und wie der Hoecker da irgendwie durchkommt.

Und ich habe eine ganze Menge kluggeschissen.

Geocaching ist die moderne Schnitzeljagd. Caches sind wasserdichte Tupperdosen - als Schätze in Wäldern verscharrt, in Seen versenkt oder unter Parkbänke geklebt. Jede freie Minute begibt sich Bernhard Hoëcker auf Schatzsuche: Ausgerüstet mit dem GPS-Empfänger knackt er querfeldein die verschlüsselten Koordinaten. Mit viel Humor erzählt er von seinen außergewöhnlichen Abenteuern und erklärt alles, was man über Geocaching wissen muss.




am 19.06.08:

Holodeck in der Provinz
Erkundungen im neuen Siegener Virtual Reality Labor Teilnahme an der Veranstaltung nur nach vorheriger Anmeldung möglich! Anmeldung unter: holodeck@fk615.uni-siegen.de

Vorstellung der zum Einsatz kommenden Technik mit kurzen Demos.

Diskussionsrunde zum Spannungsfeld:

Was ist technisch mit Virtual Reality möglich?

Welche Bedeutung hat die Technik aus kultur- und medienwissenschaftlicher Sicht?

Podium: Peter Gendolla, Andreas Kolb, Jens Schröter, Jochen Venus




am 25.09.08:

LADEZEIT
- Andere Geschichten vom Computerspielen -> Eine Talkshow.

Mathias Mertens und Tobias O. Meißner erzählen auf der Grundlage ihres neuen Buches »Ladezeit« über Computerspiele und ihre Leidenschaft für die Spiele.

In der Szene sind die Autoren vor allem durch ihre Kolumne im GEE (Games Entertainment Education) bekannt.

»Es gibt vieles beim Computerspielen, das so selbstverständlich erscheint, dass man nicht darüber nachdenkt. Health packs in Holzkästen zum Beispiel. Aus Gegnerleichen herausspringende Munitionsvorräte. Auch zuschaltbare Levelkarten, die sich beim Laufen selbst zeichnen. Oder Endgegner ...«

Warum eigentlich werden Computerspiele wie Rasenmäher oder Friteusen getestet und bewertet? Millionen von Menschen lieben sie, verfluchen sie, verbringen ihre Zeit in ihnen. Spiele bedeuten etwas. Aber was genau, wird selten beschrieben. An diesem Abend nutzen Computerspieler die Pause vor dem nächsten Spiel, um von ihren Erlebnissen und Gedanken zu erzählen. Denn es ist Ladezeit.




Nachwuchsforscher

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