Medientopographien sozialer Räume


Eine Untersuchung der Medienumbrüche relationaler (An)Ordnungen


An dieser Arbeitsgruppe beteiligen sich Mitglieder der Teilprojekte A2, A6, A7, B1, B9 und B10.

Innerhalb des Bedeutungsspektrums des Begriffs 'Medientopographie' als mediale Repräsentation eines Ortes/Raums wie auch als Bezeichnung für eine räumliche Ordnung der Medien zielt diese Arbeitsgruppe auf die Beantwortung der Frage, wie Raum als Grundbegriff der Sozialwissenschaften für den Medienumbruch analog/digital präzisiert werden kann.

'Medientopographien sozialer Räume' konstituieren sich nicht in einem disziplinär-programmatischen sondern raumbeobachtungstheoretischen Sinne multiperspektivisch. Sie sind ein Indiz für die Suche nach einer neuen Begrifflichkeit zur Beschreibung vermeintlich veränderter Ordnungen der Welt seit dem 9/11, die einhergehen mit dem proklamierten spatial, topographical oder topological turn der Sozial- und Kulturwissenschaften.

Die soziale Konstruktion des Raumes ist virulent mit Hinblick auf die wachsende Bedeutung virtueller Räume, die Restriktionen physischer Räume zu überwinden scheinen. Aus dem körperlich-primären, technikfreien Raumbezug bilden sich neue Raumkonfigurationen, die ganz wesentlich mit Hilfe von analoger und digitaler Technik entstehen. Die medientechnologische Ausweitung des menschlichen Interaktions- und Wahrnehmungsraumes führt zu immer abstrakter werdenden Räumen: von körperlichen Räumen, in denen der Wahrnehmungsraum identisch mit dem sozialen Raum ist, über technische, mediale, elektronische bis hin zu kybernetisch sozialen Räumen (vgl. Faßler 2003).

Die Medien- und Sozialraumgeschichte entpuppt sich als Prozess fortschreitender Raum-Zeit-Verdichtung. Hat die digitale Globalisierung die Nutzungsgeschichte der Überwindung von Entfernung (durch Telegraf, Telefon, Television etc.) abgeschlossen? Die elektronische und digitale Ferne scheint inzwischen näher am Alltag als der reale Nachbar. Telematische Ferne ist zu einer Rahmenbedingung der Kommunikation und Handlungsentscheidungen geworden. Ist damit zugleich eine Veränderung unserer sozialen Konstruktionen verbunden?

Die neue Medienrealität lässt die Konturen der traditionellen soziokulturellen Topographie verblassen, deren räumliche Entwürfe Grenzen, Distanzen und damit Differenzen zugrunde liegen (vgl. Großklaus 1995). Daher wollen wir uns zudem mit der Frage befassen, ob diese Grenzen, die ein Diesseits/Jenseits und damit ein Innen/Außen determinieren, durch den digitalen Medienumbruch ins Wanken geraten. Der Raum ist darüber hinaus ausgezeichnet durch den Zugang zum Raum und den Umgang mit ihm. Die hierdurch determinierte Offenheit und die Geschlossenheit von Räumen ist ein virulentes Thema des 'Digital Divide'. Hat die Zugangs- und Wissenskluft mit jedem Medienumbruch an Dynamik gewonnen?

Aufbauend auf diesen Fragestellungen sollen einige raumbildende Dimensionen fokussiert betrachtet werden. Es handelt sich hierbei um die beobachtungsleitenden Unterscheidungen Physisch Virtuell, Nah/Fern, Innen/Außen und Offen/Geschlossen. Ist mit fortschreitender Medienentwicklung ein Auseinanderdriften dieser relationalen Ordnung des Sozialen von der Topographie zu diagnostizieren oder ist der soziale Raum doch stärker an den physischen Raum gekoppelt als vielfach mit der Rede vom 'Verschwinden des Raums' unterstellt wird?

Kontakt: Tristan Thielmann (thielmann@fk615.uni-siegen.de)

Nachwuchsforscher

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