Theorie der Medienumbrüche

Im Forschungskolleg werden 'Medienumbrüche' als Leitbegriffe für umfassende - technologische, soziale, ökonomische, kulturelle - strukturelle Veränderungen tradierter Kommunikationsverhältnisse verstanden, die den Abbruch zeitlicher Entwicklungen, Kontinuitäten und Zuordnungen und den Durchbruch zu neuen Strukturen, Verhältnissen und Qualitäten beschreiben. Der Umbruchs-Begriff weist dabei zwei elementare Denotationen (mit entsprechenden Konnotationen) auf, die ihn von Vorstellungen eines langsamen Wandels unterscheiden:

- eine negative: Umbruch im Sinne von Zusammenbruch, Katastrophe, Destruktion;

- eine positive: Umbruch im Sinne einer völligen Neu-Konstruktion.

Er soll jenen Moment beschreiben, in dem ein evolutionärer Umstrukturierungsprozess in einem Umschlag kulminiert - und zu ganz anders strukturierten Mediensystemen führt. Um diese Prozesse zu beschreiben, werden - in einem heuristischen Sinne - zwei medienhistorische Übergänge angesetzt: zum einen der Umbruch zu den 'analogen' Medien um 1900 als Veränderungen der Techniken menschlicher Wahrnehmung durch Fotografie bzw. Kinemato-grafie; zum anderen der Umbruch zu den 'digitalen' computergestützten und vernetzten Medien um 2000, die alle Medien im universell programmierbaren Medium Computer integrieren.

Dieses heuristische Konzept stellt eine Ausgangshypothese für die Nachwuchsforscher-Arbeitsgruppe dar, die es kritisch zu prüfen und auszuarbeiten gilt. Die Gruppe führt dazu zum einen als Lektüre- und Diskussionsgruppe die Auseinandersetzung mit Theorien aus ver-schiedenen Disziplinen zu Konzepten bzw. Terminologien wie 'Umbruch', 'Revolution', 'Zäsur', 'Epochenschwelle' sowie - in einem engeren Sinne - mit der vorliegenden Literatur zu 'Medienumbrüchen'. Zum anderen verfolgt sie das Ziel, eine monografische Untersuchung zum Thema zu erarbeiten, die 2008 erscheinen soll.

An der Arbeitsgruppe sind Mitglieder der Teilprojekte A1, A4, A5, B1, B6, B7 und B9 beteiligt.

Ferner ist Katja Hoffmann (Uni Köln) externes Mitglied der Arbeitsgruppe. Sie setzt sich unter Bezugnahme auf die Themenfelder der Arbeitsgruppe in ihrem Promotionsprojekt kritisch mit dem 'Iconic Turn' und dessen theoretischer, historiographischer und bildlicher Modellierung auseinander.

Nachwuchsforscher

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