Das Kulturwissenschaftliche Forschungskolleg Medienumbrüche untersucht Voraussetzungen und Strukturen von Medienumbrüchen zu Beginn des 20. Jahrhunderts und im Übergang zum 21. Jahrhundert.
 
Forschungsleitend ist die Beobachtung, dass Medienumbrüche umfassende, diskontinuierliche, strukturelle Veränderungen innerhalb der Mediengeschichte darstellen. Dem Begriff Mediennumbruch lassen sich insoweit historiografische Begrifflichkeiten wie Epochenschwelle oder Zäsur und Synonyme wie Umschlag oder Durchbruch an die Seite stellen.
 
In historischer Perspektive haben evolutionäre mediengeschichtliche Prozesse immer wieder Phasen eines abrupten Übergangs in eine bislang nicht bekannte Qualität der Medienentwicklung erfahren. Medienumbrüche treten mit der Dynamik eines epochalen Durchbruchs auf. Sie indizieren einen historisch neuen, singulären Stand der Medienentwicklung wie der Wahrnehmungsgeschichte. Die Entwicklungsrichtung eines solchen Umbruchs ist unbestimmt. Er kann technologische Faktoren und anthropologische Dimensionen der Mediengeschichte ebenso einschließen wie tradierte gesellschaftliche und kulturelle Institutionen oder ästhetische Traditionen. Das Forschungskolleg untersucht Medienumbrüche in ihrer Bedeutung für die Entstehung und Veränderung von Medienkulturen und für die Entwicklung der Medienästhetik, unter Einbeziehung medientechnologischer Aspekte. Ziel des Forschungskollegs ist der kontrastive Vergleich der beiden strukturell prägenden Medienumbrüche des 20. Jahrhunderts, die sich als Umbruch zu den analogen Medien zu Beginn des 20. Jahrhunderts und als Umbruch zu den digitalen Medien im Übergang zum 21. Jahrhundert bestimmen lassen.
 
Im Unterschied zu vergleichbaren Forschungsprojekten schließt das Forschungskolleg sowohl technologische Aspekte als auch anthropologische, kulturhistorische und literaturwissenschaftliche Fragestellungen ein, die den digitalen Umbruch im Übergang zum 21. Jahrhundert bedingen und begleiten. Der Vergleich mit der medialen Umbruchsituation zu Beginn des 20. Jahrhunderts ermöglicht die Bildung kontrastiver Schwerpunkte, die zur historischen Fundierung des Rahmenthemas Medienumbrüche dienen. Der Bildung dieser Schwerpunkte liegt die Einsicht zugrunde, dass Umbrüche nicht notwendig gesellschaftlich positiv konnotierte Folgen nach sich ziehen. Vielmehr ergeben sich aus Medienumbrüchen in verschiedenartigen Kulturen sachlich, zeitlich, sozial, medial und räumlich unterschiedliche Konsequenzen.
 
Die Forschungsarbeit beschränkt sich deshalb nicht nur auf die Analyse medientheoretischer Diskurse, sondern erfordert eine transdisziplinäre und interkulturelle Untersuchungsperspektive. Die in der Mehrzahl der Teilprojekte vorgesehene kulturkomparatistische Erweiterung der dem Gesamtprojekt zugrunde liegenden Fragestellung trägt der Tatsache Rechnung, dass die Erforschung von analogen wie digitalen Medienkulturen sich auf Phänomene von globalen Dimensionen bezieht. Sie haben, insbesondere in den westlichen Industriestaaten, an den Jahrhundertschwellen 1900 und 2000 jeweils zu Umbruchsituationen von singulärer Qualität geführt, deren exemplarische Analyse ein Desiderat der medienwissenschaftlichen Forschung darstellt.
 

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