Navigationen im Universum der Medienumbrüche

Mit dem Doppelheft 1/2 des Jahrgangs 2005 geht die Herausgeberschaft der Zeitschrift Navigationen an das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Kulturwissenschaftliche Forschungskolleg SFB/FK 615 'Medienumbrüche' der Universität Siegen über. Das 2001 auf Anregung von Klaus Kreimeier begründete und konzeptionell wie editorisch betreute Periodikum wurde redaktionell von Mitgliedern des Fachbereichs Literatur-, Sprach- und Medienwissenschaften und des Medienstudiengangs der Universität Siegen mitgetragen. Es widmete sich, ohne einer spezifischen Traditions- oder 'Schul'-Bildung verpflichtet zu sein, den audiovisuellen Medien in Geschichte und Gegenwart - mit einem Schwerpunkt auf der Dynamik der neuen Medientechnologien -, die als Instrumente gesellschaftlicher Selbstbeobachtung und Selbstreflexion begriffen und analysiert wurden. Der mit diesem offenen Konzept verbundene Anspruch hat es der Zeitschrift Navigationen erlaubt, sich in ihren bis zum Jahresende 2004 erschienenen sieben Ausgaben auch der aktuellen medien- und kulturwissenschaftlichen Theoriebildung und insbesondere der interdisziplinären Theoriediskussion zu zuwenden und hierbei ein eigenständiges medien- und kulturwissenschaftliches Profil auszubilden.

Durch die Einbindung in die Arbeitszusammenhänge des Forschungskollegs 'Medienumbrüche' soll dieses Profil künftig für erweiterte Ortbestimmungen innerhalb des medien- und kulturwissenschaftlichen Diskurses genutzt und zudem für die spezifischen Fragestellungen des Siegener Forschungsverbundes geöffnet werden. Die Projektarbeit innerhalb des Kulturwissenschaftlichen Forschungskollegs 'Medienumbrüche' der Universität Siegen lässt sich im Wesentlichen von drei Perspektiven leiten: zum einen durch die historische Orientierung auf den 'analogen' Medienumbruch zu Beginn des 20. Jahrhunderts und den 'digitalen' Medienumbruch im Übergang zum 21. Jahrhundert; zum anderen durch die Einsicht, dass die historischen Schwellen 1900/2000 im Hinblick auf die Fragestellung des Forschungskollegs nicht als Ereigniskategorien zu verstehen, sondern in heuristischer Absicht zu nutzen sind; schließlich durch die systematische Differenzierung der erkenntnisleitenden Fragestellung, die mit der Untergliederung der Forschungsaspekte in die komplementären Projektbereiche 'Medienkulturen' und 'Medienästhetik' verbunden ist. Das Forschungskolleg 'Medienumbrüche' geht von der Hypothese aus, dass die Medienentwicklung als ein von Zäsuren oder Einschnitten geprägter, diskontinuierlicher Verlauf zu entwerfen ist. In Phasen des 'Umbruchs' strukturiert sich ein zuvor dominantes Medienensemble um, mit dem Effekt, dass neue Medien sich durchsetzen und auf diese Weise zugleich die Perspektive auf ihre Vorgänger-Medien verändern, ohne diese zwangsläufig zu verdrängen. Vor dem Hintergrund des skizzierten Forschungsprofils sind der Titel der Zeitschrift Navigationen ebenso wie ihr Untertitel Zeitschrift für Medien- und Kulturwissenschaft als Programm zu verstehen: Es geht um Erkundungen und Entdeckungen, um Orientierungen und Ortsbestimmungen im medienwissenschaftlichen und kulturgeschichtlichen Universum der 'Medienumbrüche'. NAVIGATIONEN wird künftig die Forschungsergebnisse unterschiedlicher Disziplinen zusammenführen, um möglichst umfassend Aspekte medialer Umbrüche an Hand wechselnder Themenstellungen greifbar zu machen. Zwar veröffentlicht die Zeitschrift auch Theoriebildungen und Forschungsergebnisse aus der Projektarbeit des Kollegs, doch versteht sie sich darüber hinaus ebenso als Wissenschaftsforum und als Instrument zur Förderung des Austauschs innerhalb der aktuellen Medienforschung.

Diesem Ziel dient die Untergliederung der Einzelhefte in zwei Rubriken: (1) Themenschwerpunkt, (2) Diskurse Medienumbrüche:
(1) Die Rubrik Themenschwerpunkt benennt sich nach dem jeweiligen Heft-Schwerpunkt und umfasst dementsprechend die Beiträge zum Schwerpunktthema.
(2) Die Rubrik Fokus Medienumbrüche besteht im Wesentlichen aus einem Überblicksartikel, der eine Klammer zwischen dem Themenschwerpunkt des Heftes und dem Forschungsrahmen 'Medienumbrüche' schaffen soll und bietet einen Überblick über den Forschungsstand zum Thema 'Medienumbrüche'. Aktuelle, einschlägige Publikationen werden hier vorgestellt und kritisch kommentiert, wobei nach Bedarf auch Beiträge aus den Teilprojekten des Forschungskollegs aufgenommen werden, die Einblick in die laufende Forschungsarbeit geben.

Die vorgestellte neue Konzeption der Zeitschrift Navigationen bedarf nun der Erprobung und - im Zusammenspiel von Autoren und Redaktion (Christoph Meibom, Andreas Käuser, Susanne Pütz) - gegebenenfalls der Revision. Um das Konzept zu sichern und seine Fortentwicklung in der Zukunft zu fördern, sind mit Knut Hickethier, Klaus Kreimeier, Rainer Leschke und Joachim Paech renommierte Medienforscher in den wissenschaftlichen Beirat der Zeitschrift berufen worden.

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