A1 Medienanthropologie und Medienavantgarde

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Projektleiter:
Prof. Dr. K. Ludwig Pfeiffer
Tel.: +49(0)271/740-4721

Prof. Dr. Ralf Schnell
Tel.: +49(0)271/740-2835

MitarbeiterInnen:
Monika Medvegy

Raum:

Tel:

Projektlaufzeit:
2002 -

Das Vorhaben, radikal-innovative ästhetische Praxis mit älteren Theorieformen zu konfrontieren, bezieht entscheidende Motivations- und Modellierungsimpulse aus einer aktuellen wissenschaftstheoretischen und -geschichtlichen Konfiguration. Es handelt sich erstens um die Wende zu einer Anthropologie der (Natur-)Wissenschaften in den science studies, speziell der Pariser und der Edinburgh Schule. Es geht zweitens um die in der postmodernen Soziologie zu beobachtende, mit deutlichen anthropologischen Implikationen besetzte Wende zu einer postsocial theory. Und es geht drittens, in einer projektspezifischen Zuspitzung, um die Implikationen einer sich vorläufig noch sehr unscharf abzeichnenden Bild-Anthropologie (Belting). Die Koppelung von Medienanthropologie und Medienavantgarde lässt sich also theoretisch als medienorientierte Parallele zu Entwicklungen in der Wissenschaftsforschung, in der Soziologie und in einer Bildwissenschaft verstehen, die von den in Frage stehenden Medienumbrüchen wohl am stärksten betroffen wird, bislang aber lediglich rudimentär und heterogen vorhanden ist. Das Teilprojekt untersucht die Herausforderungen und (Re-)Aktualisierungen, die ältere, disziplinär vergleichsweise ungebundene Denkformen unter den Bedingungen radikaler ästhetischer Praxis erfahren (haben), in der jüngeren Vergangenheit ebenso wie in einer für zukünftige Verschärfungen offenen Gegenwart. In allen drei Bereichen verbindet sich die wissenschaftstheoretische Fragwürdigkeit der Anthropologie mit der wissenschaftsgeschichtlichen wie ästhetiktheoretischen Dringlichkeit eines offenen und kontrollierten anthropologischen Denkstils.

Diese Verbindung zwischen der Theorieform Anthropologie und der ästhetischen Praxis Avantgarde mit ihrer deutlich visuellen Orientierung wird im vorliegenden Teilprojekt in Form eines Vergleichs unterschiedlicher Medienkulturen durchgeführt: der europäischen (hier: der deutschen) und der asiatischen (hier: der japanischen) Medienkultur. Es handelt sich folglich um eine doppelte Konfrontation des Verhältnisses von Medienanthropologie und Medienavantgarde: Sie ermöglicht zum einen Zugriffe auf anthropologische Denk- und Diskursformen differenter medienkultureller Formationen und deren Beiträge zu einer Symptomatologie der Modernisierung und der Gegenwart. Durch die Analyse technisch-medial sensibler Perioden des Umbruchs in unterschiedlichen Medienkulturen möchte sie zum anderen bislang eher dogmatisch vorgenommene Entscheidungen zugunsten technikzentrierter bzw. anthropologischer Medienwissenschaft unterlaufen und durch thematisch aufschlussreiche, historisch wie interkulturell gestaffelte Beiträge ersetzen. Die Pointe der doppelten Konfrontation besteht, analog zu jener von science studies, postsocial theory und Bild-Anthropologie, in der unterschiedlichen und vielfach gebrochenen Renaissance anthropologischer Fragestellungen unter Bedingungen radikalisierter medialer und ästhetischer Innovation, welche das Gesamtvorhaben unter dem Begriff des Medienumbruchs zu fassen versucht.

Die Konfrontation lässt sich für Japan als wiederholter Zusammenprall von traditioneller Kultur und moderner Technologie, für Deutschland (vor allem zu Beginn des 20. Jahrhunderts) als Konflikt zwischen einem literarisch geprägten Bildungsbürgertum und industrieller wie ästhetischer Modernisierung beschreiben. In beiden Fällen verfolgen die Bereiche des Teilprojekts das Ziel, unterschiedliche und jeweils anders verschüttete Zusammenhänge zwischen langfristigen, sozialgeschichtlich sehr anpassungsfähigen Diskurs- und Mentalitätsbeständen und tiefgreifenden medialen Herausforderungen freizulegen. Das Teilprojekt verspricht insofern auch Aufschluss im Hinblick auf die Semantik des Umbruchbegriffs selbst.

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Teilprojekte

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