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A4 Mediendynamik, Prinzipien und Strategien der Fusion und Differenzierung von Medien

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Projektleiter:
apl. Prof. Dr. Gebhard Rusch
Tel.: +49(0)271/740-4289

Prof. Dr. Helmut Schanze
Tel.: +49(0)271/740-4505

MitarbeiterInnen:
Daniela Giebel
Henning Groscurth
Dr. Gregor Schwering

Raum: AE-B 205

Tel: +49 (0)271/740-4933

Projektlaufzeit:
2002 -

Das Teilprojekt zielt auf eine allgemeine Theorie der Mediendynamik, die als Theorie gegenläufiger Prozesse der Medienfusion, der Medienspezifizierung und -differenzierung angelegt ist. Zur Modellierung von Medienumbrüchen wird ein Mehrebenen-Modell von Mediendynamik ausgearbeitet, welches Theorieelemente integriert und Teildynamiken des Medienwandels auf Mikro-, Meso- und Makroebene ausdifferenziert. Erstere beinhaltet dabei das Medienhandeln von Individuen und Gruppen in ihren Lebenswelten, die Mesoebene bezeichnet die Formierung soziomedialer Strukturen und Institutionen und die Makroebene umfasst schließlich Prozesse der kulturellen, ökonomischen, politischen und technischen Konfiguration. Medienwandel lässt sich als Moment gesellschaftlichen Wandels ausstellen und kennzeichnet daher eher stabile und ‚normale’ Mediendynamiken. Hingegen lassen sich Medienumbrüche als signifikante Veränderungen solcher Dynamiken etwa im Sinne von Destabilisierungen in Teilsystemen charaktererisieren. Als evolutionäres Prinzip des Zusammenwirkens der verschiedenen Teildynamiken auf einer hyperdynamischen Ebene sollen somit multiplexe Prozesse in einer hyperzyklischen Mehrebenen-Dynamik fassbar gemacht werden. Mehrebenen-Dynamiken rechnen also nicht mit nur einem Treiber des Medienwandels, wie er oft in den Medientechnologien ausgemacht wird, sondern potentiell mit mehreren Quellen von Treibern wie etwa Sozialität, Ökonomie, Technologie sowie Politik und Recht. Erst die (historische) Modellierung verschiedener Teildynamiken innerhalb dieser Bereiche mitsamt ihren Interaktionen sorgt dafür, dass die Vorstellung von Medienumbrüchen auf dem Niveau ganzer Mediensysteme auch empirisch eingelöst werden kann.

Die Bearbeitung der umfangreichen Datenkorpora bedeutet somit zum einen Rekonstruktion, zum anderen bietet sie jedoch auch die Möglichkeit zur Simulation von Medienprozessen und -umbrüchen, durch welche das Teilprojekt eine zeitnahe Abschätzung der weiteren Medienentwicklung in Deutschland durch die Erstellung von Zukunftsszenarien für 2025 liefern kann; diese Reflexion der Anwendungsdimension soll besonders im Hinblick auf die zukünftig zu erwartenden Entwicklungen z.B. in den Bereichen der Multi-Medialisierung, der medialen Binnendifferenzierung, der intermedialen Relationierung und der partizipativen, ästhetischen Entdifferenzierung erfolgen. Dabei ist einerseits auszugehen von ästhetischen und kognitiv-sozialen Prinzipien wie thematisch-formalen, kommunikativen, hedonistischen oder ökonomischen Funktionalisierungen von Medien. Andererseits ist die Ausdifferenzierung von Kommunikationsmitteln als Funktion der Ausdifferenzierung von Gesellschaft zu berücksichtigen, und zwar hinsichtlich kommunikativer Inanspruchnahmen jeweils historisch neuester Technologien (wie Schrift, Print, Signalübertragung, Digitalisierung etc.) und ökonomischer Ausdifferenzierungen. Schließlich stellen die am Beispiel von Medien wie Literatur, Theater, Bildende Kunst, Radio oder Film gewonnenen analytischen Strategien und Theorien z.B. der Form-Inhalts-Differenzierung oder der Unterscheidung von Genres und ästhetischen Funktionen jene Konzepte und Orientierungen bereit, die sich im nächstfolgenden Differenzierungsprozess artikulieren.

Im Zuge der Theoriegewinnung werden medienhistorische Datenkorpora, die sowohl medientheoretisches als auch -kritisches Wissen beinhalten, diskursanalytisch und kliometrisch erfasst und korreliert. Zur Erforschung rezenten medien- und kulturspezifischen Nutzungswissens in der deutschen Medienkultur erfolgt eine empirische Überprüfung der gewonnenen Daten durch Zeitreihenanalysen sowie daran anschließend die systemische Integration innerhalb der Modellierung mediendynamischer Teilprozesse auf Mikro-, Meso- und Makroebene.

Dabei sind die intermedialen Relationen bzw. die Spezifitäten der sog. Neuen Medien im Vergleich mit den „klassischen“ Medien von besonderem Interesse. Theorien der Funktion und des Spiels, der Medienökonomie und -ästhetik, in den älteren Differenzierungstheorien als Gegensätze begriffen, werden zunehmend fusioniert (z.B. bez. Video- und PC-Games). Theorien der Relation von Form und Inhalt („form follows function“) werden in Frage gestellt (z.B. von postmodernen Theorien der Dekoration), ältere Theorien der Differenzierung der Künste erhalten auf der Ebene der multimedialen Praxis eine überraschende Aktualität.

Eine ländervergleichende Perspektive erhält das Teilprojekt durch die Replikation des gesamten theoretisch/methodologischen Settings durch die Forschergruppe um Brian Winston an der Lincoln University (UK) im Rahmen des Hera-Programms (Humanities in the European Research Area).

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Teilprojekte

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