A5 Industrialisierung der Wahrnehmung

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Projektleiter:
Prof. Dr. Klaus Kreimeier
Tel.: +49(0)271/740-4946

Prof. Dr. Martin Loiperdinger
Tel.: +49(0)651/201-3612

MitarbeiterInnen:
Katrin Barkhausen
PD Dr. Joseph Garncarz
Ingo Köster
Annemone Ligensa
Michael Ross

Raum: AE-B 201

Tel: +49 (0)271/740-4946

Projektlaufzeit:
2002 -

Projektfoto

Das Teilprojekt A5 „Industrialisierung der Wahrnehmung“ erforscht die Etablierung des Kinos als zentrales Phänomen des Medienumbruchs um 1900. Durch seine kommerzielle Verwendung im Rahmen der Institution Kino wurde der Film zum Leitmedium des 20. Jahrhunderts. Insofern ist es nicht das Auftreten des Films als neue Medientechnologie um 1895, sondern erst seine spezifische kulturelle Implementierung um 1910, die den Medienumbruch markiert. Das Medium Film als Wahrnehmungsangebot wurde dabei auf verschiedenen Ebenen seiner Herstellung und Verbreitung zunehmend standardisiert, weshalb wir von der “Industrialisierung der Wahrnehmung” sprechen.

Filme wurden in bereits etablierten Unterhaltungsinstitutionen eingesetzt, wie Varieté und Jahrmarkt, bevor sich eine filmspezifische Institution, das ortsfeste Kino, entwickelte. Ortsfeste Kinos entstanden ab 1905 und etablierten sich in wenigen Jahren ausgehend von den Großstädten in allen Teilen Deutschlands. Der Medienumbruch wird besonders auf drei Ebenen sichtbar. Erstens lässt sich die Kinoetablierung selbst als ein Umbruchsprozess verstehen, zweitens schlug sich die rasante Ausbreitung der Kinos in der zeitgenössischen Diskursöffentlichkeit als Umbruchserfahrung nieder und drittens veränderte das Kino die etablierte Hierarchie der Unterhaltungsinstitutionen grundlegend. Die Hinwendung zum langen Filmdrama in Kinotheatern ab 1910 löste kritische Diskussionen aus, der Erfolg dieses neuen Unterhaltungsangebots führte aber zu einer Neuordnung der Medieninstitutionen: Das Varieté verlor stark an Bedeutung, und das Theater entwickelte sich zunehmend zu einer nicht-kommerziellen Bildungsinstitution.

Die gewonnenen Erkenntnisse stützen sich auf umfangreiches Datenmaterial, das im Rahmen des Teilprojekts gesammelt wurde. So konnten drei Datenbanken zum frühen Kino in Deutschland angekauft bzw. entwickelt werden, die einzigartige Forschungsmöglichkeiten weit über das Projekt hinaus eröffnen. Dabei handelt es sich um eine Datenbank zum Filmangebot in Deutschland bis 1920 mit Informationen zu über 45.000 Filmen, um eine Datenbank zum Wanderkino in Deutschland zwischen 1896 und 1926 mit Daten zu über 7.000 Gastspielen, sowie um eine Datenbank, die die Filmprogramme etwa 100 ortsfester Kinos für neun deutsche Städte unterschiedlicher Größe und kulturgeographischer Lage im Zeitraum zwischen 1905 und 1914 erfasst.

Wird das Teilprojekt auch über 2009 hinaus gefördert, werden wir in der dritten Bewilligungsphase die Antriebskräfte sowie die Frage einer kulturellen Spezifik des für Deutschland analysierten Medienumbruchs näher untersuchen. Das Teilprojekt vertritt die These, dass Kinobetreiber und Publikum die für den Medienumbruch entscheidenden Triebkräfte waren, was detaillierte Forschung auf lokaler Ebene erfordert. Es geht zudem davon aus, dass der Medienumbruch in Deutschland dem anderer Länder grundsätzlich vergleichbar ist, dass er jedoch auf einer zunehmenden kulturellen Spezifizierung beruht. Der Filmmarkt war zunächst durch in verschiedenen Ländern ähnliche, transnational operierende Auswertungsformen (Varieté und Jahrmarktkino) sowie durch einen transkulturell erfolgreichen Filmtyp (das „Kino der Attraktionen“) geprägt. Mit der Etablierung der ortsfesten Kinos und damit einhergehend des langen Filmdramas als dominanter Filmform wurde das Kino zunehmend zu einer kulturspezifischen Medieninstitution. Dabei soll auch untersucht werden, wie dies im zeitgenössischen Diskurs reflektiert wird.

Die erhobenen Datenbestände des Teilprojekts sollen in ein dezentral vertrauensbasiertes „Academic Social Web“ für die Erforschung des frühen Kinos überführt werden, das die autonome Pflege und Erweiterung der Daten zum frühen Kino über den Bewilligungszeitraum hinaus sichert und zudem die Nutzung externer Datenbestände ähnlich arbeitender internationaler Forschungsprojekte, mit denen in der zweiten Phase Kontakte aufgebaut wurden, ermöglicht. Zu diesem Zweck soll eine innovative webbasierte Lösung entwickelt werden, die die Vorzüge gegenwärtiger partizipativer Internetangebote mit den Sicherheitsbedürfnissen akademischer Nutzung verknüpft.

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Teilprojekte

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