B4 Formen des Vorspanns in Hollywood und im westeuropäischen Autorenfilm seit 1950

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Projektleiter:
Prof. Dr. Georg Stanitzek
Tel.: +49(0)271/740-4705

MitarbeiterInnen:
Dr. Natalie Binczek
Alexander Böhnke

Raum:

Tel:

Projektlaufzeit:
2002 - 2005

Die vom Teilprojekt intendierten Untersuchungen des Filmvorspanns sind als Beitrag zur Diskussion der häufig anzutreffenden medien- und filmwissenschaftlichen Auffassung von Film als reinem Analogmedium zu verstehen, das die Logik seines Vorläufermediums Fotografie ins bewegte Bild hinein verlängere. Aus der Perspektive des sich verstärkt seit etwa 20 Jahren vollziehenden Medienumbruchs 'um 2000' hin zum Digitalmedium Computer, der zwischen Schrift und Bild nicht mehr unterscheidet, ist eine Diskussion jenes Konzepts vom Medienumbruch 'um 1900' geboten, dem die Auffassung vom Analogmedium Film zugrunde liegt. Das Teilprojekt versteht den Filmvorspann filmtheoretisch als reflexiven filmischen Paratext. In der Regel positioniert am Filmanfang - und als générique zusammengedacht mit dem Abspann - übernimmt der Vorspann im filmischen Bezug auf den auf ihn folgenden Film unterschiedliche kommunikative Funktionen: Er fungiert als Arbeitsnachweis (filmisches Impressum), er thematisiert die Vorführsituation, er unterhält, macht Werbung, stimmt in den Film ein. Diese Bezugnahmen transkribieren im Rahmen komplexer intermedialer Strukturen Medien in Medien, wobei die Spezialisierung des Vorspanns auf Techniken der Kondensation entscheidend ist. Die hierbei entwickelten - häufig metaphorischen - Verfahren sollen im Spannungsfeld von filmischer Enunziation und Diegese beschrieben werden. Entgegen einer strikten Entgegensetzung von Schrift und Film knüpft das Teilprojekt an die filmsemiotische These an, dass von der historisch ersten Vorführsituation an das Medium Schrift im Medium Film ein filmisches Element unter anderen darstellt: Die Schrifttafel des Filmvorspanns ist als filmisches Bild zu verstehen. In den Fokus der Betrachtung rückt damit vor allem die (kinetische) Typografie als integraler Bestandteil filmischer Bildstrategien. Das Teilprojekt wird die filmische Reflexivität des Vorspanns an zwei scheinbar extrem divergenten Ausprägungen untersuchen: auf der einen Seite den Hollywood-Vorspannproduktionen seit dem Ende der 50er Jahre, die sich je nach Budget wiederum in die Arbeiten der 'Title Houses' und die des 'Title Design' unterteilen lassen. Dabei wird die Vorspannpraxis des bekanntesten Title Houses ('Pacific Title') zu den Arbeiten der Pionierfirma des digitalen Filmvorspanns ('R/Greenberg Associates') in Beziehung gesetzt werden. Auf der anderen Seite untersucht das Teilprojekt für den selben Untersuchungszeitraum vergleichend die Vorspannpraxis des europäischen Autorenfilms, vor allem am Beispiel der Arbeiten von Jean-Luc Godard. Um den verschiedenen Modi der Transkription beim Import und Reimport filmischer Formen gerecht zu werden, wird das Teilprojekt begleitend dazu den Niederschlag recherchieren, den der europäische Autorenfilm mit seinen elaborierten Titelsequenzen in den 'Anthology Film Archives', einer der wichtigsten strukturbildenden Vermittlungsinstanzen europäischen Autorendenkens in den USA, gefunden hat. Mit seinem Untersuchungsgegenstand an der Schnittstelle von analogem und digitalem Medienumbruch trägt das Teilprojekt sowohl zum Bereich B wie zur Gesamtfragestellung des Forschungskollegs maßgeblich bei.

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Abschlussbericht


Teilprojekte

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